NEUAUFBAU, WILHELMSHÖHE UND FRAUENFUSSBALL (1946 - 1967)


Nach dem Krieg kehrte mancher Sportkamerad nicht mehr von den Schlachtfeldern zurück. Dennoch fanden sich schnell einige Unentwegte ein, um den Verein wieder zum Leben zu erwecken. Sie richteten erst den durch den Krieg arg in Mitleidenschaft gezogenen Sportplatz wieder her. Ein geregelter Spielbetrieb wurde Ende August 1946 erneut aufgenommen (Weisweiler spielte weiter in der 1. Kreisklasse), wenn auch durch die wirtschaftliche Lage nur in beschränktem Maße.

 

In unserem verhältnismäßig kleinen Ort bildete sich 1947 mit dem „DJK Weisweiler“ ein zweiter Sportklub, welcher seinen Sportbetrieb auf der Kippe durchführte. Aber schon 1948 waren sich die Führung der DJK und der Vorstand des SV 08 schlüssig, zusammen stärker zu sein und eine Verschmelzung vorzunehmen. Von nun an nannte man sich „Sportverein 08 Fortuna Weisweiler“. Die Vereinsfarben blieben mit blau-gelb die des alten SV 08. Sowohl der Name, als auch die Farben wurden bekanntermaßen bis zum heutigen Tag beibehalten.

Beinahe hätte es 1950 bereits zum ersten Titel unter der Obhut der Glücksgöttin Fortuna gelangt, aber an den letzten Spieltagen ging der von Klaus Schramm trainierten 1. Mannschaft die Luft aus und sie verpasste den Aufstieg in die Bezirksklasse.

 

Die mittlerweile wieder über 100 Vereinsmitglieder (1949 waren es bereits 86) votierten 1951 für Kaspar Schönen als neuen 1. Vorsitzenden, der die Nachfolge von Peter Bläser antrat. Schönen und Geschäftsführer Ludwig Maletz organisierten einen Vereinsausflug an die Ahr und nach Abschluss der Meisterschaftsspiele eine Sportwoche. Jugendleiter Helmut Decker ermöglichte der 1. Mannschaft zudem ein Freundschaftsspiel gegen die A-Jugend des FC Schalke 04, welches 4:1 für Schalke endete. Während das Team unter der Leitung von Trainer Hans Pfefferkorn (zuvor Eschweiler SG) in der 1. Kreisklasse einen Mittelplatz belegte, gewann es eine Pokalrunde in Jüngersdorf mit einem 3:0-Sieg im Endspiel gegen den Gürzenicher FC. In diesem Jahr konnte der Vorstand durch aktives Werben 29 neue Mitglieder begrüßen und zu der seit 1950 wieder obligatorischen Weihnachtsfeier einen Festball am Ostermontag im „Restaurant Peters“ abhalten.

 

Die folgende spielerische Entwicklung der 1. Mannschaft war hauptsächlich auf die Arbeit des seit 1952 in Weisweiler an der Seitenlinie stehenden Trainers Heiner Stephan, einem sogenannten „Alt-Internationalen“ von Alemannia Aachen, zurückzuführen. 1953 machte die Fortuna neben dem tollen 2. Tabellenrang in der Meisterschaft besonders im Pokalwettbewerb des Westdeutschen Fußball-Verbandes von sich Reden. In den ersten drei Runden setzte die Elf sich gegen Langweiler, Columbia Stolberg und Langerwehe durch. Bei TuS Herzogenrath, dem Meister der Bezirksklasse, unterlag das Team unglücklich mit 2:3. Dort sprachen die Zeitzeugen noch lange von dem herrlichen Spiel, das die Herzogenrather ebenfalls in der Festschrift zu ihrem Aufstieg entsprechend würdigten.

 

Mitte des Jahres 1953 erhielt der Verein auf der Wilhelmshöhe einen neuen Sportplatz. Zuvor spielten die Mannschaften auf einem Platz, dessen Besitz der Klub dem ehemaligen Vorsitzenden Josef Breuer verdankte. Einige Mitglieder und der stets engagierte Herr Breuer persönlich ließen nichts unversucht, um den Platz so schön wie möglich zu gestalten. Spätestens jetzt war die Zeit jedoch reif für einen neuen und von Beginn an für Fußball bestimmten Sportplatz. Am 1. und 2. August 1953 war es soweit: Der Verein weihte die von der Firma Schneiders/Stepprath angelegte, mit Stangen und einer Umzäunung versehenen Anlage mit einem Fest ein. Die beiden Senioren- und alle Jugendmannschaften, die Mitglieder, Ortsvereine und die geladenen Ehrengäste gingen unter den Klängen des Bläserkorps und des Trommlerkorps Weisweiler auf die Wilhelmshöhe. Dort übergab der Weisweiler Bürgermeister Hubert Bündgens nach verschiedenen Ansprachen den Sportplatz. Mit dem symbolischen Anstoß durch Landrat Hilgers startete um 18.00 Uhr das Eröffnungsspiel der 1. Mannschaft gegen den FC Germania Dürwiß. Weisweiler begann in folgender Aufstellung:

 

Fuß – K. Felkel, Koch – H. Scholz, R. Schuhmann, P. Krieger – Greven, Muss, Fiedler, Lövenich, Horriar (eingewechselt wurden G. Felkel und Vöpel)

 

Im Anschluss an die Partie, die 4:1 für die klassenhöheren Dürwißer ausging, fand sich die große Fortunen-Familie im Festzelt zusammen, wo unter Mitwirkung des Liederkranzes Weisweiler eine Jubilarehrung stattfand und der 1. Vorsitzende Karl Schmitz seinem Vorgänger Kaspar Schönen herzlich für seine Verdienste zum Bau der neuen Platzanlage dankte.

 

Am Morgen des zweiten Einweihungstages nahmen viele Mitglieder und Sportkameraden an einem gemeinsamen Kirchgang und einer anschließenden Gefallenenehrung auf dem Heldenfriedhof teil. Am Nachmittag empfing die 2. Mannschaft die Erstvertretung des FC Frenz mit folgender Aufstellung (Endergebnis 2:2):

 

Otta – Trimborn, Pelzer – Erkens, Dickmeis, Sommer – Fehr, Vöpel, Eschweiler, Krehl, B. Schuhmann

 

Vor dem Festball im Zelt zum Abschluss der Platzeinweihungsfeierlichkeiten erlebten die zahlreichen Zuschauer die Auseinandersetzung einer kombinierten Mannschaft (dabei vier Spieler aus Weisweiler) mit dem damals klassenhöchsten Eschweiler Fußballklub Eschweiler SG, die die ESG mit 6:2 für sich entschied. Die kombinierte Mannschaft bestand aus folgenden Spielern:

 

Huke (Fort. Weisweiler) – Vogel (FC Frenz), Nosper (Fort. Weisweiler) – Erhardt (TuS Langerwehe), Thelen (Rhen. Lohn), R. Schuhmann (Fort. Weisweiler) – Schneiders (SV Nothberg), Wunderlich (SV Nothberg), Esser (Rhen. Eschweiler), Schnock (TuS Langerwehe), Felkel (Fort. Weisweiler)

 

Im für den deutschen Fußball so sensationell erfolgreichen Weltmeisterschaftsjahr 1954 gab es bei der Fortuna eine Phase der Enttäuschung. Nachdem die 1. Mannschaft in den beiden vorherigen Spielzeiten eine Rolle im Aufstiegsrennen einnahm und 1952/53 gar in der entscheidenden letzten Begegnung den Sprung in die Bezirksklasse aus den Händen gab, musste die Elf nun durch einen einzigen fehlenden Punkt in die 2. Kreisklasse absteigen. Für den Gesamtverein blieb allerdings auch Positives: Auf einer Mitgliederversammlung mit dem frisch zum 1. Vorsitzenden gewählten Dr. W. J. Erkens am 16. Juni wurde der Klub durch die Gründung einer Tischtennis- (Leiter: Heinz Krünegel) und einer Schwimmabteilung (Leiter: Martin Stefens) erweitert. Im Laufe der Zeit schieden beide Sportarten aber wieder aus und die Abteilungen gründeten mit dem TTC 54 Weisweiler und den Wasserfreunden Weisweiler selbstständige Vereine.

 

Einen Ausflug verband die 1. Mannschaft im Herbst 1955 mit einer Freundschaftspartie beim SV Phönix Essen. Hierbei siegte das Team aus dem Ruhrgebiet mit 4:2. Gegen Ende der Saison reisten die Essener ihrerseits nach Weisweiler und absolvierten Spiele mit ihren „Alten Herren“ (Ergebnis 1:1) und einer Jugendmannschaft (Ergebnis 2:0 für Weisweiler). Die Zusammentreffen vermittelte der damalige Trainer von Weisweilers 1. Mannschaft Kurt Gerz, der aus Essen stammte und durch einen Wohnungswechsel zur Fortuna kam.

 

Leider konnte Gerz trotz seiner Bemühungen nicht den Wiederaufstieg in die 1. Kreisklasse realisieren. 1954/55 und 1956/57 gelang die Herbstmeisterschaft, doch in den Rückrunden stellten sich verschiedene Rückschläge ein und die sehr wichtigen Spiele gingen verloren. So führte man 1956/57 die Tabelle bis zur drittletzten Meisterschaftsbegegnung an, unterlag dann aber mit 1:4 (1:1) bei der 2. Mannschaft von Rhenania Würselen, sodass letztendlich zwei Punkte zum 1. Platz fehlten.

 

Dafür konnte das Team verschiedene Pokalerfolge einfahren. Die Blau-Gelben gewannen die beiden Wettbewerbe anlässlich der 50-jährigen Bestehen der Eschweiler SG und von Germania Dürwiß und damit zwei schöne neue Spielertrachten. Auch in der Pokalrunde des Westdeutschen Fußballverbandes kam Weisweiler weit: Nach Siegen beim BSC Schevenhütte (6:0), gegen Glück-Auf Ofden (6:2 n.V.) sowie gegen Vicht, wobei hier nach dem Remis im Hinspiel (3:3 n.V.) ein Erneuerungsspiel (5:0) die Entscheidung brachte, stießen wir bis in die vierte Runde vor und schlugen dort den oberklassigen FC Rhenania Eschweiler mit 2:0. Bei diesem Spiel wurde der Spielführer unserer Elf, Peter Krieger, lebensgefährlich verletzt. Die ganze Fortunen-Familie bangte in den darauffolgenden Tagen um den Sportkameraden. Sehr erfreulich ist es, dass sich Peter Krieger von der schweren Verletzung wieder erholte und bis in die 80er Jahre weiter aktiv Fußball spielte. In der fünften Pokalrunde scheiterte die Mannschaft beim VfR Linden-Neusen knapp mit 2:3. Das finale Tor erzielte der damalige Tabellenzweite der Bezirksklasse (Linden-Neusen spielte also zwei Ligen höher als Weisweiler) per Strafstoß.

 

Am 2. Pfingstfeiertag 1957 machte der Verein einen Ausflug nach Oberhausen in die Eifel. Dabei wurde gegen den dortigen Klub ein Freundschaftsspiel ausgetragen, das Weisweiler mit 5:1 gewann. Wie es in einer früheren Chronik überliefert ist, lockte die schöne Umgebung fast alle Spieler mit ihren mitgereisten Frauen zu ausgedehnten Spaziergängen. Der Rest soll allerdings dafür gesorgt haben, dass der Oberhausener Vereinswirt nicht zu kurz kam.

 

Ihre Tauglichkeit zum Feiern konnten die Mitglieder erneut im Juni 1958 zum 50-jährigen Gründungsjubiläum beweisen. Eröffnet wurde die Sportwoche durch ein Spiel der 1. Mannschaft gegen unsere Freunde von Phönix Essen sowie einem Fest- und Ehrenabend im Festzelt.

 

Sicher war es Zufall, dass die Gemeinde Weisweiler in unserem goldenen Jubiläumsjahr die Turnhalle in der Albert-Schweitzer-Schule fertig stellte. Endlich war die bereits ein Jahr vorher gegründete Turnabteilung in der Lage, ihren Sport aktiv aufzunehmen.

 

Es dauerte nunmehr fast ein Jahrzehnt, bis wieder größere Erfolge in unserer Vereinsgeschichte zu vermelden sind. Die sportlichen Leistungen sollten über Jahre konstant bleiben, allerdings blieb uns der Aufstieg weiter versagt. Mit Ausnahme der Spielzeit 1959/60 lag die 1. Mannschaft in jedem Jahr zwischen Rang 4 und 10. Obwohl die Ambitionen mit der Verpflichtung von namhaften Trainern wie Ernst und G. Schmidt, die früher aktiv bei Alemannia Aachen spielten, unterlegt wurden, blieb man in der Tabelle zwischen Gut und Böse. Allerdings prägten unsere Mannschaften speziell in diesen Jahren eine tolle Kameradschaft. Nach den Partien fanden sich die Spieler im Vereinslokal Mager zur „3. Halbzeit“ zusammen. Oft vollendeten sie mit einem privaten „Reibekuchenessen“ den Abend. Bei vielen dieser Veranstaltungen nahmen auch die Freundinnen und Frauen der Spieler teil.

 

Daher entstand auch bei den Damen eine Begeisterung für den Fußball. Sie hegten 1967 den Wunsch, selbst ein Spiel zu bestreiten. Gegner vor einer großen Zuschauerkulisse waren die Fußballerinnen vom TSV Donnerberg.